ICOR-Erklärung:
Der Iran steht erneut an einem historischen Wendepunkt. Aus den Straßen der Städte und Dörfer im ganzen Land ist eine neue Welle des Kampfes ausgebrochen. Dieser Aufstand ist der konzentrierte Ausdruck jahrzehntelanger Unterdrückung, Ausbeutung, Demütigung und gestohlener Zukunft unter einem theokratischen Regime, das dem Volk systematisch seine grundlegendsten Rechte verweigert hat. Auch wenn möglicherweise mit brutalen Blutopfern tausender Ermordeter und zehntausender Verwundeter der Aufstand niedergeschlagen wurde oder wird – die Glut glimmt und der proletarische Internationalismus ist zur anhaltenden Solidarität herausgefordert.
Von Anfang an basierte die Islamische Republik auf der Zerstörung demokratischer Rechte und Freiheiten wie dem Versammlungs- und Koalitionsrecht, Frauen-, Arbeiter- und Gewerkschaftsrechte wurden ebenso verwehrt wie die Rechte unterdrückter Völker und Glaubensgemeinschaften, wie der Kurden oder anderer. Jede größere Protestbewegung der letzten Jahrzehnte trat dagegen an; nach der Ermordung von Jina Amini haben insbesondere Frauen und Jugendliche gegen die Verschleierungspflicht und patriarchalische Herrschaft aufbegehrt.
Ausgelöst durch den katastrophalen Zusammenbruch der Lebensbedingungen entstand jetzt eine neue und noch radikalere Phase des Kampfes der untersten Schichten der Gesellschaft – Arbeiter, arbeitslose Jugendliche, marginalisierte arme Stadt- und Landbewohner. Ihre Botschaft ist einfach und direkt: Dieses Regime muss weg.
Das Fehlen reformistischer Parolen ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen politischer Reife, die aus bitteren Erfahrungen entstanden ist. Die Menschen riskieren ihr Leben, weil ihnen in Wirklichkeit bereits alles genommen wurde. Genau das verlieh dem Aufstand im Januar 2026 sein explosives und transformatives Potenzial.
Die Arbeiterklasse im Zentrum
Die Arbeiterklasse steht im Zentrum dieser Krise. Sie ist am stärksten von Inflation, Arbeitslosigkeit und dem Abbau sozialer Leistungen betroffen. Auch wenn wir noch nicht sehen, dass die Arbeiterklasse als einheitliche, organisierte Kraft mit landesweiten Strukturen auftritt, muss dies als direkte Folge jahrzehntelanger brutaler Unterdrückung verstanden werden. Unabhängige Gewerkschaften wurden verboten, revolutionäre Organisationen physisch vernichtet, und jeder Versuch einer kollektiven Organisation wurde mit Haft, Folter und Hinrichtung beantwortet.
Trotzdem ist die Arbeiterklasse überall auf den Straßen präsent. Diese Realität ist kein Grund für Pessimismus – sie ist ein Aufruf zum Handeln.
Nein zum Schah, nein zum Obersten Führer
Gleichzeitig ist die Gefahr einer Konterrevolution real. Die westlichen imperialistischen Mächte versuchen aktiv, die Zukunft des Iran nach ihren eigenen Interessen zu gestalten. Durch massive Medienkampagnen und politische Unterstützung fördern sie den Sohn des Schahs als sogenannte Alternative. Dieses Projekt basiert nicht auf den Bestrebungen der iranischen Massen, sondern auf den strategischen Kalkülen des imperialistischen Kapitals.
Studenten, Frauenbewegungen, unterdrückte Völker, Untergrundgewerkschaften und demokratische Organisationen haben wiederholt erklärt: „Nieder mit dem Unterdrücker, sei es der Oberste Führer oder der Schah.“ Die nostalgischen Schichten, die heute für den Sohn des Schah mobilisiert werden, sind enge, oft ins Lumpenproletariat abgestürzte Teile der Gesellschaft. Und die westlichen internationalen Medien mobilisieren für ihn. Er steht nicht für Befreiung, sondern für eine andere Form des Despotismus.
Für eine Einheitsfront gegen Faschismus und Imperialismus, für Demokratie, Freiheit und die Perspektive Sozialismus
Wir stehen nicht auf der Seite der Regierungen in Washington, Brüssel oder Tel Aviv, sondern auf der Seite des unabhängigen Handelns des Volkes und seiner echten Emanzipation.
Unter den Bedingungen einer faschistischen Herrschaft ist der Aufbau einer Einheitsfront gegen Faschismus und Imperialismus eine strategische historische Notwendigkeit zur Vereinigung von Arbeiter- und Frauenbewegungen, Studenten, unterdrückten Nationalitäten, revolutionären Demokraten und Marxisten-Leninisten. Einheit in diesem Kampf erfordert keine ideologische Einheitlichkeit in allen Fragen. Wohl aber Einheit der Tat und demokratische Streitkultur über die Zukunftsperspektiven.
Die imperialistischen Aggressionen gegen den Iran sind nicht unabhängig von den ununterbrochenen Angriffen gegen die Palästinenser und den Genozid in Gaza oder den Überfall auf Venezuela.
Die spontane Rebellion muss in bewussten, organisierten Kampf verwandelt werden. Eine echte demokratische Revolution wird die Bedingungen schaffen, die für die Vorbereitung und Durchführung einer sozialistischen Revolution notwendig sind, die erst die tatsächliche Befreiung des iranischen Volks von Ausbeutung und Unterdrückung bedeutet.
Unterstützt die demokratischen, säkularen und fortschrittlichen Kräfte in ihrem Kampf. Verstärkt ihre Stimmen. Verteidigt ihr Recht, über ihre eigene Zukunft zu bestimmen.
Nein zu allen Reaktionären.
Nein zu allen Imperialisten.
Die Niederschlagung ihrer Kämpfe und Aufstände hat den Willen der iranischen Völker nicht gebrochen. Sie verdienen eine Zukunft, die sie mit eigenen Händen schmieden, geprägt von der immensen, kreativen Kraft der organisierten Massen, die sich von unten erheben. Wir stehen an ihrer Seite.
Solidarität mit dem Kampf der Völker des Iran um Freiheit und Demokratie!
Stärkt die revolutionären und fortschrittlichen Kräfte im Iran!
Entwickelt in jedem Land und weltweit die Einheitsfront gegen Faschismus und Krieg – Solidarität mit dem Volk von Venezuela, Palästina, Rojava, Grönland…!
Stärkt die ICOR und alle demokratischen und revolutionären Parteien und Organisationen!
